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Hannes

Interview des TKF mit Frank Linnig, Präsidiumsmitglied für Kommunikation

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Guten Tag Herr Linnig. Bereits vor einigen Monaten hatte ich Sie gebeten, den Mitgliedern des TKF und den Fans der TuS Koblenz für ein Interview zur Verfügung zu stehen. Sie stimmten direkt zu und die Umsetzung lag dann in meinen Händen. Leider komme ich erst jetzt dazu, das Thema neu aufzugreifen und ich bedanke mich bereits vorab, dass Sie für die Fragen der Fans Ihre bereits eh schon knappe Zeit geopfert haben.

Seit wann sind Sie Fan der TuS Koblenz und warum ausgerechnet die TuS?


Meine Zuneigung zur TuS Koblenz begann vor mehreren Jahren noch zu Zweitliga-Zeiten. Die genaue Jahreszahl weiß ich nicht mehr, spielt aber sicher auch keine große Rolle. „Ausgerechnet die TuS“ – was für eine Frage. Wer sonst in Koblenz?


Gibt es Grundlagen für eine bessere Zusammenarbeit mit der Stadt Koblenz oder sind die Fronten nach der Insolvenz noch mehr verhärtet? Gab es bereits Gespräche mit der Stadt und ist man bezüglich Stadionmiete vonseiten der Stadt bereit, der TuS zu helfen?

Die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert auf der „Arbeitsebene“ ausgezeichnet. Alles andere wird sich zeigen. Natürlich suchen wir auch nach der Insolvenz das offene Gespräch mit der Stadt und ihren Entscheidungsträgern. Derzeit gibt es nichts Konkretes zu melden. Und was die Stadionmiete angeht: Hier sieht die Stadt wenig Verhandlungsspielraum.

Wie schwer ist Ihnen der Schritt zur Insolvenz gefallen?

Sehr schwer. Ich gehöre zu denen, die lange um die dauerhafte Existenz der GmbH gekämpft haben. Und das aus mehreren Gründen. Das hat zum einen viel mit Verantwortung (so altmodisch bin ich offenbar) für Mitarbeiter, Sponsoren und Gläubiger zu tun, denen man nicht einfach sagen kann: Das war’s jetzt, seht zu, wo ihr bleibt. Viele – auch im TKF – machen es sich zu leicht, wenn sie vollmundig erklären, dass es gut sei, dass man die GmbH endlich „los ist“. Außerdem dürfte ja hinlänglich bekannt sein, dass ich durch die Insolvenz viel Geld verloren und erhebliche Investitionen in den Sand gesetzt habe. Immerhin hat es gereicht, um den e.V. nicht auch mit in den Abgrund zu ziehen. Genau danach sah es lange Zeit aus. Aber um das zu erkennen und vielleicht auch ein wenig zu würdigen, müssten einige wohl ihr Weltbild verändern.

Hätte man diesen Schritt nicht früher gehen sollen, denn Hoffnung auf Besserung ist ja seit langem nicht in Sicht gewesen?

Woher wollen Sie das wissen? Es gab genug Signale und Anzeichen für eine positive wirtschaftliche Wende bei der GmbH. Aber sie haben sich eben nicht bewahrheitet, und am Ende war dann die Einnahmesituation so schlecht, dass es keinen anderen Weg gab als den, den wir letztlich beschreiten mussten. Im Übrigen empfehle ich, zumindest das Interview auf der TuS-Homepage zu diesem schwierigen Komplex (noch einmal) zu lesen.

Sehen Sie den Abstieg als worst case oder vielleicht auch als Chance für einen Neuanfang?

Wer freut sich schon über einen Abstieg in die 5. Liga? Wohl nur die, die ja schon immer alles besser wussten. Aber die Fakten sind nun einmal so wie sie sind. Jetzt gilt es, von allen alle Kräfte zu mobilisieren, dass die nächste Oberliga-Saison nur eine kurze „Episode“ in der wechselvollen TuS-Geschichte bleibt. Das wird schwer genug. Gerade deshalb wünsche ich mir eine konstruktive Begleitung und nicht ein permanentes Dauernörgeln an wem und was auch immer.


Die TuS Koblenz ist trotz Trainerwechsel abgestiegen und spielt nun in der Oberliga. War die Entlassung des Trainers Nessos und die Verpflichtung von Sander somit ein Fehler? Und warum erhielt Evangelos Nessos damals (ohne im Besitz eines entsprechend benötigten Trainerscheins zu sein) einen über drei Jahre dotierten Vertrag?

Die positive Wende im sportlichen Bereich ist in der Tat ausgeblieben. Doch was bringt es, über den Schnee von gestern zu diskutieren? Fakt ist, dass die Anti-Stimmung gegenüber Evangelos Nessos am Schluss so stark war, dass Sachargumente ohnehin niemand mehr hören wollte. Aber damit das klar ist: Petrik Sander ist ein ausgezeichneter Trainer, was aber an meiner Wertschätzung für Evangelos Nessos überhaupt nichts ändert. Ihm einen Dreijahres-Vertrag zu geben, war damals ein Zeichen der Kontinuität und zugleich – wenn ich mich richtig
erinnere – ein einstimmiger Beschluss im Aufsichtsrat. Aber auch bei dem Thema gilt: Nachher alles in Grund und Boden zu kritisieren, ist eben herrlich einfach.


Sehen Sie sich angesichts des ausgebliebenen Aufschwungs nach dem Trainerwechsel in der vergangenen Saison in Ihrer damaligen Einschätzung bestätigt, dass es ein Fehler war, Herrn Nessos zu entlassen?

Da diese Frage letztlich den gleichen Inhalt hat wie die vorherige, erspare ich es mir, die Antwort zu wiederholen. Richtig ist, dass ich mich für Evangelos Nessos stark eingesetzt habe. Auch deshalb, weil ich es einfach ekelhaft fand, wie der „Pöbel“ mit einem Mann umging, der sich um die TuS große Verdienste erworben hat. Ich gehöre nicht zu denen, die Menschen einfach fallen lassen, weil sie nicht (mehr) everybody’s darling sind.

Womit sehen Sie den erneuten Abstieg der TuS Koblenz begründet? Was wurde Ihrer Meinung nach alles falsch gemacht?

Wir haben am Ende nicht genug Tore geschossen und nicht genug Spiele gewonnen. So einfach ist das. Und wir hatten sicher auch die falsche Mannschaft. Wenn Sie das als Beweis für die – ja auch im TKF immer wieder geäußerte – „sportliche Inkompetenz“ der Verantwortlichen sehen wollen, nur zu.

Die Mitgliederversammlung des Jahres 2014/15 brachte bei der Besetzung des Postens des Vizepräsidenten eine Überraschung, mit der Sie scheinbar nicht umgehen konnten (ich erinnere an einige Fotos, die die Situation recht gut beschrieben). Wie schätzen Sie selbst die Zusammenarbeit in den Gremien nach acht Monaten ein?

Hans-Werner van Heesch – und ihn meinen Sie ja – war nicht mein Wunschkandidat. Aber was ist daran schlimm oder ungewöhnlich? Ich bin Demokrat genug, eine Mehrheitsentscheidung eines Gremiums zu akzeptieren. Man muss sich nicht lieben, um in einem letztlich sachorientierten Ehrenamts-Job vernünftig miteinander zu arbeiten. Ich denke, dass sich darum beide Seiten bemühen.

Der ehemalige Geschäftsführer Walter Convents hatte bei der TuS Koblenz eine recht beschränkte Amtszeit. Kann man trotz des anstehenden Verfahrens einige Infos über die Gründe der Entlassung erfahren? Womit war man unzufrieden?

Sie erwarten doch nicht allen Ernstes, dass ich an dieser Stelle Interna ausplaudere. Die Trennung von Walter Convents beruhte auf einem nachhaltigen Vertrauensverlust. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.


Wie geht es mit der Sponsorensuche bei der TuS Koblenz weiter und wie reagierten Sponsoren nach dem Abstieg aus der Regionalliga und der Insolvenz der GmbH? Ist mittelfristig überhaupt mit weiteren größeren Sponsoren zu rechnen?

Die Reaktion von Sponsoren auf die Insolvenz der GmbH war direkt nicht zu spüren, weil das Ereignis wohl auch noch zu frisch ist. Der Abstieg aus der Regionalliga hat nicht zu einem massenhaften Abwandern von Sponsoren geführt, wohl aber in der Regel zu finanziellen Kürzungen. Damit war zu rechnen. Ich hoffe, dass sich bei vielen Sponsoren im Laufe der Zeit die Erkenntnis durchsetzt, dass die Oberliga für die meist regionalen Unternehmen eigentlich sogar von Vorteil sein kann. Denn: Näher an ihren Kunden und Zielgruppen können sie kaum sein. Der direkte Geschäftsnutzen, der für viele Sponsoren ja eine ausschlaggebende Rolle spielt, hat in der Oberliga fraglos größere Chancen. Aber wir machen uns nichts vor: Der sportliche Erfolg ist das A und O. Wenn er wieder zurückkommt, erhöht das zweifellos die Attraktivität der TuS Koblenz für alte und neue Sponsoren. Gleiches gilt im Übrigen für Zuschauer.


Warum klatschen Sie eigentlich die Spieler vor und nach dem Spiel ab? Letzte Saison meinten einige Spieler, dass ihnen so etwas eigentlich nicht gefiele, da es sie in ihrer Konzentration stören würde.

Nach dem Spiel kann ich sie ja wohl kaum in ihrer Konzentration stören. Aber im Ernst: Was haben Sie für Probleme? Wahrscheinlich war mein „Abklatschen“ Schuld an der sportlichen Misere. Mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein.


Was muss Ihrer Meinung nach passieren, damit der e. V. in den nächsten Jahren nicht auch in diese finanzielle Situation kommt, die bei der GmbH zur Insolvenz führte?

Einmal ganz abgesehen davon, dass hier aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen in gewisser Weise Äpfel mit Birnen verglichen werden, kann ich nur sagen: Der e.V. muss es schaffen, Einnahmen und Ausgaben in der Balance zu halten. Und: Er braucht gerade auf der finanziellen Seite verlässliche Partner, die das ernsthafte Bemühen der Verantwortlichen um Seriosität und Stabilität bei ihrem Engagement berücksichtigen.


Nachdem Sie letzte Saison von Teilen der Fans öfters kritisiert wurden, dachten Sie da nicht manchmal ans Aufhören?

In der Tat.

Was war für Sie die größte Enttäuschung der letzten Saison, die Niederlage im Pokal mal außen vor gelassen?

Dass Spieler, die für unsere Verhältnisse gut bezahlt wurden, nur fünf Minuten nach einem grottenschlechten Kick grinsend und fröhlich aus der Kabine kamen. Mit meiner Berufsauffassung ist das jedenfalls nicht vereinbar. Wer sich nach durch eigenes Unvermögen verschuldeten Niederlagen nicht schämt, hat zumindest bei der TuS Koblenz nichts zu suchen.


Gibt es Pläne mit der Stadt zur Sanierung bzw. Erhaltung der jetzigen Substanz des Stadions Oberwerth?

Renovierungsmaßnahmen sind nach meinem Kenntnisstand geplant. Details kenne ich jedoch nicht, so dass ich dafür hier auch nicht die Hand ins Feuer legen werde bzw. will.

Man munkelt, dass Prof. Dr. Werner Hecker sein Amt als Präsident der TuS Koblenz aufgeben wird. Könnten Sie sich vorstellen, das Amt des Präsidenten der TuS Koblenz zu übernehmen und werden Sie für das Amt kandidieren?

Fragen Sie doch Werner Hecker selbst nach seinen Plänen. Holen Sie sich doch die Informationen aus erster Hand. Was meine Person angeht, gebe ich sie Ihnen gerne: Ich kann mir weder vorstellen, das Amt des TuS-Präsidenten zu übernehmen noch würde ich im Fall der Fälle für das Amt kandidieren.

Wen würden Sie selbst als Präsidenten in die Runde werfen, sollten Sie nicht zur Wahl stehen?


„Werfen“ würde ich niemanden, höchstens vorschlagen. Aber das mache ich dann, wenn es die Situation erfordern sollte – und dann sicher zunächst in kleinem Kreis.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, nach der verkorksten Saison die Fans wieder mehr ins Boot zu holen, denn die Zuschauerzahlen gingen ja stark zurück?


Die Rückgewinnung enttäuschter bis frustrierter Fans gehört ohne Zweifel zu den zentralen Aufgaben der nächsten Saison. Ohne Fans, die voll hinter ihrem Verein stehen, werden wir es nicht packen. Den wichtigsten Hebel dazu sehe ich auf der sportlichen Ebene. Wenn hier der Funke endlich wieder überspringt, werden die Zuschauer auch wieder in größerer Zahl zu Heim- und vielleicht auch Auswärtsspielen kommen. Die TuS muss nicht jedes Spiel gewinnen, aber die Mannschaft muss dem Publikum vermitteln, dass sie mit ganzem Herzen und ganzer Leidenschaft bei der blau-schwarzen Sache ist. Möglicherweise müssen wir auch in der Kommunikation neue Wege gehen, um Fans zu binden. Ich hoffe, dass uns das mit den geringen Ressourcen – und damit meine ich nicht nur das Geld – sukzessive gelingt.

Es gab in der Vergangenheit öfters Probleme durch einige Fans, die dem Verein die eine oder andere Strafe einbrachten. Was gedenkt man in der Oberliga dagegen zu unternehmen, denn wir werden dieses Jahr auf vielen „Dorfplätzen“ antreten müssen, wo die Gefahr von „Randale“ natürlich größer ist. Persönlich befürchten wir das in Wirges, Karbach und Burgbrohl.

Zunächst einmal: Ausschreitungen von „Fans“ haben die TuS Koblenz in der abgelaufenen Saison rund 10.000 Euro gekostet. Hinzu kommt, dass die TuS als „Wiederholungstäter“ immer stärker unter Beobachtung und im Fokus der Polizei steht. Während der jüngsten Oberliga-Tagung wurde klar zum Ausdruck gebracht, dass sich die TuS Koblenz nicht mehr viel leisten kann. Im worst case droht uns sogar das Spielverbot im Stadion Oberwerth. Was ist dagegen zu tun? Gespräche führen, die negativen Konsequenzen aufzeigen, an die Vernunft appellieren – und daran, dass es doch um die angeblich „so geliebte TuS“ geht. Hans-Werner van Heesch hat hier in den letzten Tagen bereits den Dialog gesucht. Das ist verdienstvoll und hoffentlich von Erfolg gekrönt. Aber eines ist auch klar: Idioten werden für ihre Randale immer ein Vehikel und ein Instrument finden. Trotzdem darf die überwiegende Mehrheit nicht aufhören, auf die Kraft der Argumente zu vertrauen. Außerdem muss den Gewalttätern bewusst sein, dass wir mit allen juristischen Mitteln gegen sie vorgehen werden, sollte man Personen identifizieren können. Wie zuletzt übrigens geschehen.


Wäre es jetzt nicht an der Zeit, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, um die Mitglieder über vergangene und folgende Vorgehensweisen zu informieren?


Ich vermute, dass diese Frage schon länger in der Schublade liegt. Fakt ist, dass es bisher – von wem auch immer – keinen offiziellen bzw. formellen Antrag auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung gab. Bekanntlich findet im November 2015 und damit bereits in vier Monaten die nächste reguläre Mitgliederversammlung statt. Dann werden das Präsidium Rechenschaft ablegen und die Mitglieder jede Gelegenheit haben, Meinungen und Fragen zu artikulieren sowie Entscheidungen zu treffen. Ich denke, das sollte man abwarten.

Nachdem die GmbH jetzt Geschichte ist, brauchen wir Ihrer Meinung nach noch ein Präsidium mit sechs Personen?

Da das Präsidium (e. V.) mit der GmbH (Aufsichtsrat) nichts zu tun hat, stellt sich die Frage zumindest in diesem Aspekt nicht. Im Übrigen sei daran erinnert, dass die Aufstockung des Präsidiums auf sechs Personen vor nicht allzu langer Zeit erst beschlossen wurde. Und eines ist sicher: Über Arbeitsmangel hat bisher noch keines der sechs Präsidiumsmitglieder geklagt.

Wie schätzen Sie die Arbeit des DKF und der TuS Koblenz Stiftung ein? Auf der Homepage der TuS kann man davon recht wenig lesen. Gibt es auch dort in Zukunft weiterhin eine Zusammenarbeit, oder werden die Aufgabenbereiche anders verteilt? In den gesamten Oberligen dürfte die TuS Koblenz sicher der einzige Verein sein, der eine Unterstützung in dieser Form hat.


Die Verdienste von DKF und Stiftung sind unbestritten. Im Interesse des Vereins sollte eine sachorientierte Zusammenarbeit deshalb selbstverständlich sein. Natürlich liegt das auch ein Stück weit an den handelnden Personen selbst. Da ich im Präsidium (noch) für Kommunikation verantwortlich bin, halte ich u. a. eine verstärkte Präsenz von DKF und Stiftung auf der Homepage der TuS im Prinzip für unproblematisch. Warum sollten wir uns dagegen sperren? Schließlich geht es doch um die gemeinsame Sache.


Ich bedanke mich für die Beantwortung der Fragen und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg !
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